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Archive for the ‘Uni Trier’ Category

Tagebuch der Diskursanalyse

Tuesday, August 14th, 2007

Liebes Trier,

am Wochenende waren wir am See. Ein sehr schöner See, matt glänzend und das Licht tanzte. Peter meinte, dass die Fische gar nicht wüssten, wie schön sie es hier haben. Kerstin ärgerte sich sehr über Peters Aussage. Ihrer Meinung nach wissen die Fische sehr gut, wie schön sie es hier haben. Wir diskutierten die ganze Nacht.

Am nächsten Morgen sagte Basti, dass sowohl der See als auch die Fische sehr schön seien. Wir nickten.

Peter schien aber nicht zufrieden, er wirkte gar aufgeregt. Ihm ging Kerstins Aussage nicht aus dem Kopf. Woher konnte sie wissen, dass die Fische wüssten, dass ihnen klar war, dass sie es in diesem See schön haben. Er teilte uns mit dass wir die Fische beobachten und befragen sollten. Wir gingen baden.

Etwas unterkühlt verließen wir das Wasser, wir bekamen keinen einzigen Fisch zu Gesicht. Es war deprimierend. Der See war schön, aber keine Fische. Wir gingen ein Eis essen.

Der Abend dämmerte heran, als Kerstin vorschlug, dass wir vlt. etwas weiter rausschwimmen und bis zum Boden des Sees tauchen sollten, mit etwas Glück bekämen wir dann einige Fische zu Gesicht. Nur woher bekamen wir Taucherausrüstungen. Jürgen fiel ein, dass ein Freund aus dem Studium in der Nähe die Rettungsschwimmerstelle leitet, die sollten bestimmt Taucherausrüstungen haben. Gesagt, getan. So gingen wir bei Mondschein tauchen. Wir sahen Fische, große, kleine, runde, dünne, leuchtendblaue, kotzgrüne, viele und wenige Fische. Ich darf behaupten, wir sahen sie alle. Nur wir hatten ein Problem, wir konnten die Fische nicht befragen. Die Tauchermasken hinderten uns daran.

Du magst erahnen, in welch existenzieller Situation wir uns befanden, entweder die Fische befragen und absaufen, oder überleben und offene Fragen.

Wir kamen nicht weiter, bis Basti den genialen Einfall hatte, einige Fische am Strand zu befragen. Wir gingen angeln und hatten kein Glück. Wir probierten jeden Köder der uns einfiel. Mark hatte gar die Vorwortseite aus Foucaults “Ordnung der Dinge” herausgerissen. Wir weinten, wir weinten noch mehr, als auch Marks Köder fehlschlug.

Wir wussten keinen Rat, bis Jürgen sich erinnerte, dass es noch die Möglichkeit des Dynamitfischens gäbe, allerdings müssten wir die Fische dann einsammeln. Aber wir hätten den Vorteil, dass wir sehr viele Fische befragen könnten. Genial!

Ich muss gestehen, dass Jürgen durchaus das Potenzial besitzt, sich in die Reihe der ganz Großen einzureihen.

Wir gingen Dynamit holen, die Rettungsschwimmerstelle hatte glücklicherweise noch einige Stangen parat.

Mit einem lauten Knall sahen wir uns unserem Ziel nahe. Tausende Fische, wir können sie alle befragen. Ich jubiliere innerlich!

Oh weh, geliebtes Trier, du kannst dir nicht vorstellen, was uns erwartete. Kein Fisch war bereit, uns Auskunft zu erteilen, ich meine, sie weigerten sich. Wir hatten einfach kein Glück. Ich weiß, was du, geliebtes Trier, mir erwidern wirst, Glück gibt es nicht, wir hätten einfach nur Pech. Und du hast so recht.

Nächstes Wochenende fahren wir in den Harz, Bastis Eltern haben dort eine Jagdhütte. Ich freue mich sehr!

In inniger Geneigtheit

Dein Koblenz