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10.7.2007 by Elke Wittich

Unglaublich tolle, leider verworfene Ideen, Teil 1: Tod und Pubertät

(In loser Folge werden wir unter dieser Rubrik Einfälle präsentieren, die an kleinlichen Bedenken phantasieloser Spießer scheiterten)

In den meisten Onlinegames, jedenfalls in den Sportmanager-Spielen – und wir haben sie alle, alle angeguckt – lautet der Lieblingsvorwurf frustrierter User “mangelnde Realitätstreue”.
Nun, DAS kann man ändern, dachte der fürs außergewöhnliche Ideen-Haben zuständige Teil des Spiel-Entwicklungsteams und entwarf umgehend einen extrem lebensnahen Plan:
Unsere Sportler sollten sterben können.
Nicht irgendwann, wenn sie alt und grau oder nutzlos geworden sind, sondern jederzeit. Wie im wirklichen Leben.
Der Thrill, sich morgens einzuloggen und nicht zu wissen, ob der große Star oder der Lieblingsathlet putzmunter trainiert oder kalt und starr in der Kabine liegt, würde unser Game extrem abwechslungsreich und ganz besonders machen, argumentierten wir.
Und legten eine Liste mit, wie wir fanden, sehr aparten Todesarten für Sportler vor, über die sich, so waren wir sicher, die jeweiligen Besitzer trotz aller Trauer bestimmt sehr freuen würden:

– bei einem Disco-Streit um eine junge Dorfschönheit (die später mit dem Star und der Kasse des Ligakonkurrenten durchbrennen und mit ihm auf der Flucht vor der Polizei tödlich verunglücken wird) unglücklich gestürzt und mit dem Schädel laut krachend auf der Bordsteinkante aufgeschlagen
– beim Training an einer vom Vereinsarzt beim Routinecheck nicht erkannten Herzmuskelentzündung gestorben (Option einbauen: Vereinsarzt feuern)
– nach der dritten Woche hintereinander auf der Ersatzbank depressiv geworden und, mit einem gewissen Sinn für Stil und Extravaganz, Harakiri verübt (mit genau dem elfenbeinernen Brieföffner des Vereinsmanagers, mit dem dieser einst die Bewerbung des Sportlers öffnete)
– unter mysteriösen Umständen an der Seite einer mittelhübschen Frau bei einem Autounfall gestorben (gerüchteweise auf der Flucht vor der Polizei)
(usw)

Außerdem, so erklärten wir den anderen, sei es für auf Realismus bedachte User sicher eine schöne Sache, wenn man – vorausgesetzt wir werden so etwas wie Sport-Azubis aka blutjunge Nachwuchstalente haben – auch das Verhalten von Teenies nachbilden würden.

Und es entsprechend passieren könnte, dass ein mit viel Liebe, Mühe und Geld aufgepäppeltes Talent eines Tages beschließe, ab sofort keine Lust mehr auf Sport zu haben und den Verein zu verlassen.

Auch hierfür hatten wir uns sehr schöne Szenarien ausgedacht:

– verliebte sich in ein Mädchen, das Sport doof findet und ihm die Augen für die wahren Werte im Leben öffnete. Bei einer Hühnerbefreiungsaktion verhaftet, schrieb er noch am selben Abend einen Brief an die Vereinsleitung, in dem er mitteilte, dass er keine Zukunft bei einem Club sähe, der tierische Produkte wie Elfenbeinbrieföffner, Frühstückseier, Lederbälle (optional) benutzt

– entdeckte anläßlich einer Fernsehsendung seine Berufung als Prediger und schrieb er noch am selben Abend einen Brief an die Vereinsleitung, in dem er mitteilte, dass er keine Zukunft bei einem Club sähe, bei dem es nur um schnöden Mammon gehe. Verdiente in späteren Jahren derart viel Geld als TV-Prediger, dass er sich gleich mehrere Vereine kaufte, aber das ist eine andere Geschichte

– wachte eines Morgens auf und hatte einfach keine Lust mehr. Teilte dies umgehend der Vereinsleitung mit.

Dochdoch, das sei eine ganz wunderbare Idee, erklärten wir dazu, denn natürlich würden solche pubertätsbedingten Karriereenden nicht sehr häufig vorkommen, aber eben manchmal doch. Und dann durchaus auch genau an dem Tag, bevor der jugendliche Sportler endgültig den Sprung zu den Großen geschafft haben würde.
“Mehr Realitätsbezug geht doch nun wirklich nicht, oder? Und denkt mal an die tollen Möglichkeiten, die sich daraus ergeben. Wir werden Heulthreads haben, die die Bezeichnung wirklich verdienen. Und wir könnten Vereinsfriedhöfe haben, wo dann das ehemalige Jungtalent alljährlich an den Todestagen der teuren Verblichenen predigt. Wäre das nicht schön?”

Die Antwort kam schnell, und sie war ernüchternd: “NEIN!”
“Nein im Sinne von nein?”
“JA!”

Manchmal muss man einsehen, dass jedes weitere Argumentieren völlig nutzlos ist. Dies war so ein Fall. Aber wir ließen uns nicht entmutigen und zogen uns zurück, um andere schicke Ideen auszuarbeiten. Mehr darüber in
“Unglaublich tolle, leider verworfene Ideen”, Teil 2: Spieler, die eine gewisse Zeit nicht eingesetzt wurden, werden automatisch zum Verkauf angeboten

One Response to “Unglaublich tolle, leider verworfene Ideen, Teil 1: Tod und Pubertät”

  1. … also sollte ich jemals an diesem Spiel teilnehmen, und mein hochgezüchteter Superheld würde aufgrund einer Syphillisinfektion Tod im Entmüdungsbecken liegen, wäre der Spieleentwickler seines Lebens nicht mehr sicher!!

    Nette Idee ;-)

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