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14.7.2007 by Elke Wittich

DIE HÖLLE, DAS IST DER ANDERE

Die liebe Zeit...Dass Menschen unterschiedlich sind, mag gute Gründe haben – nicht zuletzt optische, denn natürlich wäre das Leben nicht nur sehr langweilig, sondern auch höllisch kompliziert, wenn wir alle gleich aussähen.
Bedauerlicherweise unterscheiden Menschen sich auch in der Art und Weise, wie sie Aufgaben angehen, fundamental voneinander – die einen fangen nach dem Motto “Versuch macht kluch” auf der Stelle an, die anderen halten sich an den völlig überbewerteten Sinnspruch “Erst denken, dann handeln”, während es die breite Masse mit irgendwas dazwischen versucht.
Unglücklicherweise sind ausschließlich die beiden Extremformen im GameProject zu finden: der Teil, der findet, dass Ideen auf der Stelle umgesetzt werden müssen und man dann, wenn sie sich als unbrauchbar herausstellen sollten, halt was anderes macht. Und der Teil, der stur darauf beharrt, nachzudenken anstatt “endlich loszumachen.”
Nachdenken dauert. Und dauert. Und ist selbst für den wohlwollenden Betrachter kein sehr dekorativer Anblick: Der Denker sitzt herum, raucht viele Zigaretten, konsumiert große Mengen Cola – und tut zwischendurch nichts. Gar nichts, um genau zu sein.
Dies ist der Augenblick, zu gucken, ob der Mann überhaupt noch lebt und ihn körperlich und mental zu zwicken: “Gibs zu: So ganz insgeheim wirst du doch einen Termin haben, zu dem Ihr das Spiel fertig programmiert haben werdet, oder? Sag doch mal wenigstens ne ungefähre Deadline!”
Die Antwort folgt prompt und sie lautet immer gleich: “Es gibt keine. Wie ich schon gestern sagte.”
Keine Deadline zu haben ist für jemanden, dessen Job ausschließlich aus absolut unverschiebbaren Abgabeterminen besteht, nicht tolerabel. Deswegen muss nun nachgelegt werden: “Dann sag wenigstens ne Jahreszeit.” Pause. Keine Reaktion. “Oder ne Jahreszahl.”
Keine Reaktion. “Ich habe den Internetanschluss gekündigt, Punkt Mitternacht werden wir offline sein.”
Immer noch keine Reaktion. Der Kerl ist nämlich schon wieder in seiner Gedankenwelt versunken.
Und wird aus diesem seltsamen, nach streng logischen Prinzipien aufgebauten Kosmos erst wieder auftauchen, wenn: “So. Jetzt weiß ich, wie wir das Problem mit der Suchfunktion/der Datenbank/dem Forum lösen.”
Super. “Prima, dann könnt Ihr jetzt losmachen?”
Natürlich nicht. “Ich muss noch überlegen, wie wir da in puncto Persistance vorgehen.”
Oh.
“Ich habe den Internetanschluss gekündigt, Punkt Mitternacht werden wir offline sein.”
Diesmal verfängt der Reaktionstest nicht. Er lächelt, jedenfalls ein bisschen. Und sagt: “Ich weiß die Deadline übrigens schon sehr lange. Aber ich sag sie Dir nicht. Komm, lass uns was trinken gehen.”

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