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10.8.2007 by Teradach

Warum die wichtigsten Skills eigentlich nur die zweitwichtigsten sein sollten

Irgendwo kann man sie nachlesen, die Skills oder Fähigkeiten, die aus dem einen Spieler einen unbegabten Klumpfuß machen, dessen Schusstechnik sich im Bauernspitz erschöpft, während der andere wie Paganini auf dem Ball fidelt, so daß dieser beim direkt geschossenen Freistoß die Richtung gleich dreimal ändert. Diese Skills machen das Spiel mehr oder minder mathematisch berechenbar. Wenn ich mit meinem Weltklasse-Team groteskerweise gegen diese Ansammlung von Grottenolmen trotzdem nicht haushoch gewinne, dann liegt das an einem Bug und Angie ist schuld. Oder irgendeine andere Schlampe. Diese Skills sind wichtig! Am wichtigsten!! Sie sind quasi das einzige, was zählt!!!!

Das lehrt die Theorie. Das sagen die Regeln. Das behaupten die Programmierer. Spätestens hier wird man stutzig. Wie gewinne ich denn dann – verdammt noch mal – wenn mein Gegner ein besseres Team hat? Das muss doch drin sein! Hah! Taktik! Nicht diese popelige Null Acht Fusszehn Konter / Steilangriff / Flügelzange / Wasweissichwas – Taktik, sondern die individuelle Haxnkrach-Methodik! Hier schien die Möglichkeit gegeben zu sein, sie endlich zu verwirklichen! Denn wo die Fähigkeiten der Spieler versagen, da regiert die Taktik. Wo die Taktik der Mannschaft nicht ausreicht, da muss was anderes her. Woher sonst bekommt man den Endorphinstoß des Erfolges, wenn man schon genau weiss, wie der Hase läuft und auch wie das Spiel vermutlich ausgehen wird? Na?

Klar: Indem man dem Gegner den Keeper, seinen Ersatzmann und am besten sogar noch den Mittelfeldregisseur vom Feld tritt. Die Idee ist simpel, genial und aus praktischer Erfahrung heraus kann ich sagen, dass sie funktioniert: Wenn man den Gegner ausgespäht hat und genau weiss, dass er die Reinkarnation eines Pixel-Zidane immer als halblinken Mittelfeldspieler aufbietet, dann geht man von Plan A (spiele fair und verliere) über zu Plan B (hacke das Aas um und putz die Brut vom Feld).

Rezept: Man nehme einen begabten Holzfäller mit A-Skill “Eisenfuss”, der noch dazu mit einem recht jähzornigen Temperament gesegnet ist. Er könnte noch psychisch labil sein und eine gewisse Neigung zur kanalisierten Gewalt mitbringen, das ist aber nur optional. Mit irgendwelchen Gewissenskonflikten sollte er sich mangels Intellekt nicht belasten… wir brauchen also einen durchschnittlichen deutschen Fussballer. Diesen Spieler setzt man nun auf seinen direkten Gegenspieler an. Zugegeben, es wäre zu leicht, ihn direkt auf den gegnerischen Zehner zu hetzen. Deswegen sollte man fairerweise dem Gegenüber die Chance bieten, seinen Rastelli dieses Mal woanders aufgeboten zu haben. Die Jagd ist nur dann Sportlich, wenn das WIld die Chance hatte, zu entkommen. Der direkte Befehl an meinen Schergen lautet: “Gehe hin und tritt”. Je nach Schiedsrichter hat er dann zwischen null und zwei Versuche, um sein schändlich Werk zu verrichten. Wenn alles gut geht, dann wird Gegners Zidane in der dritten Minute im Mittelkreis pragmatisch vom Feld filetiert und der gute Winnie the Axe bekommt nicht mal die gelbe Karte… dann kann er sich eventuell noch um den hineingekommenen Ersatzmann kümmern. Okay, das kann natürlich auch schief gehen und er wandert mit der roten Karte vom Feld, ohne seinem Gegner den Unterschenkel sauber amputiert zu haben. Schliesslich ist ja auch der Versuch strafbar und wenn er sich zu ungeschickt anstellt… das ist dann eben das Risiko, das man eingehen muss. Es kann ja nicht immer klappen. Man könnte abschwächend erwägen, diese überaus farbenprächtige Möglichkeit nur sehr selten zuzulassen. Quasi ein BOTS, ein Blutgrätsch Of The Season.

Und dann kam die Debatte mit Elke.

“Das würde die besten Spieler zu Freiwild machen!”

“Ja. Und weiter?”

“Aber das ist brutal und ausserdem ungerecht und irgendwie andershübsch”

“Stell Dir einfach vor, du trittst einen Portugiesen um.”

“Ich MAG Portugiesen!!”

“Dann nimm halt einen US-amerikanischen Repubilkaner!”

“Oh, okaaaaaaaaaaaaay…. ich sehe den Vorteil. Es ist aber trotzdem unfair.”

“Du könntest so mal gegen Boris gewinnen. Oder gegen irgendwen.”

“&!!*’$$%§”

Nun die Debatte mit Boris. Obwohl dieser Artikel schon viel zu lang geworden ist, fühle ich mich verpflichtet, ihn Wort für Wort wieder zu geben. Dem Leser soll die Gelegenheit gegeben sein, sich an diesem Feuerwerk von einem Wortgefecht zu ergötzen.

“Also, die Möglichkeit, gezielt auf einen gegnerischen Spieler Jagd zu ma…”

“Nein.”

“Kann man dann wenigstens auf Schwaben…”

“Nein.”

“Franken?”

“Okay, auf Franken vielleicht.”

Immerhin ein Teilerfolg. Man MUSS ja mal irgendwo anfangen.

One Response to “Warum die wichtigsten Skills eigentlich nur die zweitwichtigsten sein sollten”

  1. Elke Wittich Says:
    August 10th, 2007 at 17:30

    Gegendarstellung

    Bezüglich des von Herrn T aka Bayernschnallerich wiedergegebenen Gesprächs zwischen ihm und mir stelle ich fest:

    1. Ich habe nichts gegen Brutalität, was Herr T in diversen Games allerdings seinen Jungs als “brutale Spielweise” verordnet, geht über Brutalität weit hinaus. Es handelt sich um heimtückische, gemeine, unkontrollierte Angriffe auf harmlose Opfer, also um Terrorismus.
    2. US-amerikanische Republikaner sind die einzige Hoffnung der harmlose Opfer-Welt gegen den Terrorismus, deswegen hoffe ich inständig, dass sie sich ganz schnell bei einem bekannten Basketball-Game anmelden, um dem Treiben des ungehobelten Trupp des Herrn T. entgegenzutreten.
    3. Selber Weichei – aus einem anderen Gespräch mit Herrn T:

    Elchie: Stell Dir vor, wir könnten tote Spieler haben. Ich versuche grad, Boris dazu zu überreden, dass er ein Zufallsdings programmiert. Damit wäre das Game dann gleich viel spannender, denn niemand wüßte, ob sein Lieblingsspieler morgen noch lebt. Wäre das nicht toll?

    Teradach: Du willst was? Dass Spieler einfach tot umfallen können? Auch meine?

    Elkie: Auch Deine.

    Teradach: Nein, oder?

    Elkie: Doch

    Teradach: Bitte, bitte, das darf auf keine Fall passieren. Meine armen Jungs, das wäre ja schrecklich. Was muss ich tun, damit dieses Feature auf keinen Fall im Game verwirklicht wird?

    Elkie: Einen Blogbeitrag schreiben. Genauer: Jede Woche einen. Fang mit Umtreten als Taktikoption an.

    Teradach: Okay

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